Die Anfänge

 

Das Waldviertel war noch im Hochmittelalter ein riesiges Waldgebiet, auch „Nordwald“ genannt, das sich von der Donau zwischen Böhmen und Bayern bis zum Fichtelgebirge erstreckte. Dieser Wald war aber keineswegs undurchdringlich und unbewohnt. Bereits im Frühmittelalter hatten sich hier zum Beispiel Slawen niedergelassen. Diese Landnahme erreichte im 10. und 11. Jahrhundert ihren Höhepunkt.

 

Am Zusammenfluß von Zwettl und Kamp bestand damals eine slawische Siedlung, deren genaue Lage leider nicht bekannt ist. Möglicherweise befand sie sich aber auf dem heutigen Propsteiberg. Auch der Name Zwettl kommt als „svetla“ aus dem Slawischen und bedeutet so viel wie „Lichtung“, „Rodung“.

 

Ab der Mitte des 11. Jahrhunderts drangen bayrische Siedler unter der Führung des Ministerialengeschlechts der Kuenringer in das Zentrum des Waldviertels vor. Sie errichteten hoch über dem Zusammenfluß von Kamp und Zwettl auf dem heutigen Propsteiberg eine Burg und auch eine Kirche. Mit großer Wahrscheinlichkeit bestand bereits im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts in Zwettl eine Pfarre. Erster Pfarrer dürfte der Kuenringer Pilgrim gewesen sein. Er war der Bruder Hadmars I., der gemeinsam mit seiner Gattin Gertrud 1138 das nahe Kloster Zwettl gründete. In der Stiftungsurkunde für dieses Kloster, welche König Konrad III. 1139 ausstellte, wird der Name Zwettl erstmals erwähnt.

 

Die erste Pfarrkirche von Zwettl, im Bereich der Kuenringerburg gelegen, war die heutige Propsteikirche. Unten im Tale, auf einem von den Flüssen Kamp und Zwettl an zwei Seiten umschlossenen Felsplateau, entwickelte sich im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts die Siedlung Zwettl. Im Kern dieses Siedlungsbereiches, nahe dem Kampufer, baute man eine zweite Kirche, die Liebfrauenkirche (heute Stadtpfarrkirche).

 

 

 

 

Zwettl wird Stadt

 

Die Siedlung Zwettl, die im Laufe des 12. Jahrhunderts um einen dreieckigen Angerplatz (heute Haupt- und Dreifaltigkeitsplatz) entlang der Straße nach Böhmen entstand, gewann immer mehr an Bedeutung. Sie wurde ein wichtiger Handelsplatz, an dem sich Handwerker und Kaufleute niederließen. So war sie am Ende dieses Jahrhunderts in ihrer Bedeutung bereits über einen Markt hinausgewachsen. Daher verlieh Herzog Leopold VI. in einer Urkunde, welche er am 28. Dezember 1200 hier ausstellte, den Zwettlern die gleichen Rechte, die bereits die Kremser besaßen. Dabei ging es um Handelsrechte zu Wasser und zu Lande, und der Herzog wünschte ausdrücklich, dass „seine Zwettler Bürger“ in ihren Handelsgeschäften gedeihen mögen. Seither gilt Zwettl als Stadt.

 

Die Bewohner von Zwettl waren durch all die Jahrhunderte vorwiegend Ackerbürger. Das heißt, dass sie neben ihrem Handelsgeschäft oder Handwerk auch eine Landwirtschaft betrieben.

 

Im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts kam es zu einer bedeutenden Stadterweiterung. Im Norden legte man planmäßig den Neuen Markt an. Zugleich wurde der gesamte Stadtbereich mit einer Mauer umgeben.

 

1230 kam es unter Führung der Kuenringer zum Aufstand der österreichischen Ministerialen gegen den jungen Landesherren Friedrich II., den Streitbaren. Im Zuge dieser Kämpfe wurde die Kuenringerburg zerstört. Die Pfarrkirche im Burgbereich aber blieb hoch über der Stadt bestehen und diente weiterhin ihrer Bestimmung.