Barockzeit und Josephinismus


 

 

Die Barockzeit brachte auch in Zwettl einen gewaltigen Aufschwung für das religiöse Leben und die Bautätigkeit. Viele fromme Stiftungen wurden errichtet, Bruderschaften begründet bzw. zu neuem Leben erweckt.

 

Die Pfarrgemeinde führte zahlreiche Prozessionen und Wallfahrten durch. So zogen jedes Jahr am Palmsonntag und am Karfreitag Bußprozessionen, begleitet von Geißlern und Personen in Leichengewändern, durch die Stadt. Auf einer Bühne stellte man die Passion Christi dar. Am Sonntag nach Ostern, zum Fest des hl. Markus (25. April) und zu Pfingsten zog eine Prozession nach Stift Zwettl, am Dienstag vor Jubilate (3. Sonntag nach Ostern) ging man nach Siebenlinden. Daneben gab es natürlich auch die Umgänge zu Fronleichnam, Christi Himmelfahrt und zum Schutzengelfest (2. Oktober), um nur einige zu nennen. Beliebtestes Wallfahrtsziel der Zwettler Bürger war Maria Taferl.

 

In dieser Zeit wurzelt auch die Marienverehrung an der Quelle im Kamptal, am Fuße der Propstei, wo im 19. Jahrhundert die Bründlkirche errichtet wurde.

 

An allen Kirchen des Stadtgebietes nahm man umfangreiche Umbauarbeiten im Sinne des neuen Stils vor. Auf der Höhe des Propsteiberges entstand die Kreuzigungsgruppe, im Stadtzentrum, dort wo noch wenige Jahre zuvor ein neuer Pranger errichtet worden war, erbaute 1727 der Eggenburger Steinmetzmeister Johann Caspar Högl eine prächtige Dreifaltigkeitssäule. Am Kampufer, neben der hölzernen Brücke, die von der Syrnau in die Stadt führte, wo auch bisher schon eine Statue des Brückenheiligen Johannes v. Nepomuk gestanden war, errichtete die Pfarrgemeinde eine kleine Kapelle. Auch in vielen Dörfern der Pfarre entstanden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Betkapellen.

 

In der Propstei Zwettl gab es seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kein Kapitel mehr. Lediglich das Amt eines Propstes wurde vergeben. Das blieb auch in der Barockzeit so. Nun finden wir zwar prominente Namen unter den Zwettler Pröpsten, wie Trautson, Herberstein, Albrechtsburg und Kollonitsch, die meisten dieser geistlichen Herren hielten sich aber nur selten in Zwettl auf. Sie genossen lediglich die Einkünfte aus den Propsteipfründen, zu deren wirtschaftlicher Führung ein Verwalter bestellt wurde. Im Gegenzug zu diesem Bedeutungsverlust, den die Pröpste für die Pfarre Zwettl erfuhren, nahm die Selbständigkeit und Eigenverantwortung des hier ansässigen Pfarrvikars zu.

 

1751 zog Kaiserin Maria Theresia mit päpstlicher Zustimmung die Güter der Propstei Zwettl ein und übergab sie der neu gegründeten Ritterakademie, dem Theresianum in Wien, zur wirtschaftlichen Nutzung. Als Propst Karl Freiherr von Stingelheim 1752 resignierte, wurde der bisherige Pfarrvikar Johann Stocker Stadtpfarrer von Zwettl. Die Würde eines Propstes von Zwettl wird seither immer noch – allerdings als reiner Ehrentitel – verliehen.

 

Die Kirchenreformen Kaiser Josephs II. wirkten sich natürlich auch auf die Stadt Zwettl und das religiöse Leben seiner Bewohner aus. 1771 wurde die Zahl der kirchlichen Feiertage drastisch reduziert. Zahlreiche Prozessionen und Umzüge, die in den letzten Jahren üblich geworden waren, fielen dem Prozessionsverbot von 1785 zum Opfer. Bruderschaften, die keine karitativen Ziele verfolgten, wurden aufgelöst.

 

1783 entstanden im Zuge der Josephinischen Pfarregulierungen die Pfarren Stift Zwettl und Oberstrahlbach. Acht Ortschaften wurden durch diese Umstrukturierungen von Zwettl ausgepfarrt. Die Zahl der Pfarrangehörigen sank von rund 4 200 auf etwa 2 700. Der Pfarre verblieben neben der Stadt die Orte Großhaslau, Gradnitz, Syrafeld, Gschwendt, Moidrams, Oberhof und Böhmhöf.

 

 

 

In der Propsteikirche wurden die bisher während der Sommermonate üblichen Frühmessen eingestellt. Das alte Gotteshaus diente nun nur mehr als Friedhofskirche, in der lediglich zu Allerseelen Messe gelesen wurde.

 

 

 

Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Pfarre Zwettl die meiste Zeit vom Stadtpfarrer und zwei Kaplänen (Kooperatoren) betreut. Seit 1772 lebte ein weiterer Priester als Benefiziat im Bürgerspital. Er wurde von den Zinsen, welche die Baron Hacklberg’sche Stiftung abwarf, erhalten und betreute vor allem die alten und kranken Menschen im Spital. 1784 klagte zwar Pfarrer Leopold Pach, daß es wegen des herrschenden Priestermangels schier unmöglich sei, einen geeigneten Kooperator zu bekommen. Immer wieder halfen aber die Ordensgeistlichen des Stiftes bei der Seelsorge in der Stadt aus.